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Aus den Logbüchern

Wenn der Wal unter dem Boot durchzieht: Walbeobachtung im März

24. Juli 2026 · von Leguan Reisen
Wenn der Wal unter dem Boot durchzieht: Walbeobachtung im März
© Oceanwide Expeditions

Wenn der Wal unter dem Boot durchzieht

Es gibt einen Moment, den erfahrene Guides nicht ankündigen, weil man ihn nicht planen kann. Ein Buckelwal taucht neben dem Zodiac auf, dreht sich leicht zur Seite — und schaut. Nicht flüchtig, nicht im Vorbeiziehen. Er dreht sich, um besser sehen zu können.

Im März 2026 fuhr die MV Hondius eine Route, die genau darauf ausgelegt ist: „Antarctica — Whale Watching Discovery and Learning Voyage", zehn Tage im Spätsommer. Das Logbuch dieser Reise beschreibt, warum die letzten Wochen der Saison unter Walbeobachtern als die besten gelten.

Warum März

Die antarktische Saison läuft von Oktober bis März, und sie hat einen klaren Rhythmus. Im Oktober und November liegt noch Schnee auf den Landeplätzen, die Kolonien beginnen zu brüten, Wale sind selten. Im Januar schlüpfen die Küken. Und ab Ende Februar geschieht zweierlei gleichzeitig.

Erstens: Die Buckelwale haben den ganzen Sommer über Krill gefressen und sind in ihrer besten Kondition — bevor sie nach Norden in die Tropen ziehen, wo sie kalben und monatelang nichts fressen. Zweitens: Das Meereis ist am weitesten zurückgewichen, die Buchten sind offen, und die Zahl der Schiffe nimmt ab.

Wer im März fährt, tauscht also Schnee gegen Wale. Für viele ist das ein guter Handel.

Ein Vormittag in der Bucht

Das Logbuch beschreibt einen dieser Vormittage in nüchternen Worten, die trotzdem alles sagen. Ruhige Bedingungen, hervorragende Sicht. Sobald alle Zodiacs im Wasser waren, wurde klar, dass Buckelwale im gesamten Gebiet unterwegs waren.

Mehrere Gruppen zogen langsam durch die Bucht, und die Begegnungen verteilten sich über die verschiedenen Boote. Jungtiere zeigten neugieriges Verhalten: Sie näherten sich den Zodiacs, tauchten daneben auf und rollten sich gelegentlich leicht zur Seite, um besser sehen zu können.

Was die Guides notierten, ist die Ruhe des Ganzen: gleichmäßige Auftauchmuster, flache Tauchgänge, gelegentliches Heben und sanftes Klatschen der Brustflossen. In mehreren Fällen zogen Wale direkt unter den Booten durch — deutlich sichtbar im kalten, klaren Wasser.

Der Eintrag endet mit einer Beobachtung, die man nicht erzwingen kann: Das Verhalten blieb durchgehend gelassen und wissbegierig, was ausgedehnte Begegnungen mit mehreren Gruppen erlaubte.

Wie man sich richtig verhält

Genau diese Gelassenheit ist der Grund für die strengen Regeln. Boote nähern sich Walen nie frontal und folgen ihnen nicht. Wenn ein Tier von sich aus kommt, wird die Maschine ausgestellt und gewartet.

Das klingt passiv, ist aber der Kern der Sache: Ein Wal, der sich nicht bedrängt fühlt, bleibt. Ein Wal, dem hinterhergefahren wird, taucht ab. Die langen Begegnungen dieser Reise waren kein Glück, sondern das Ergebnis von Zurückhaltung.

Was sonst noch auf den Schollen lag

Rund um Pléneau Island war das Wasser voller Aktivität. Auf den Eisschollen ruhten Seeleoparden — im Logbuch „formidabel" genannt — zwischen ihren Jagden. Daneben lagen Krabbenfresserrobben, die dem Geschehen gegenüber gleichgültig blieben.

Die Guides beobachteten an diesem Tag mehrere Seeleoparden bei der Jagd auf Eselspinguine. Das ist ein Vorgang, den auch erfahrene Expeditionsteams selten zu sehen bekommen, und er ist nicht angenehm anzuschauen. Er gehört zu diesem Ökosystem, und wer eine Antarktisreise bucht, sollte damit rechnen.

Auf Yalour Island ging die Gruppe in einer geschäftigen Adéliepinguin-Kolonie an Land. Einige Vögel steckten noch in der letzten Mauserphase und standen einfach da, bis die letzten Federn gewechselt waren. Andere Küken — fast so weit, selbst aufs Meer hinauszufahren — jagten noch ihren Eltern hinterher.

Discovery and Learning: was das bedeutet

Der Zusatz im Reisenamen ist kein Marketing. Auf diesen Fahrten liegt der Schwerpunkt auf Vermittlung: Abends gab es Rückblicke auf den Tag und Vorträge — auf dieser Reise etwa von Guide Jacob über die Entstehung von Eisbergen, über das Kalben der Gletscher und die verschiedenen Eisbergtypen der antarktischen Gewässer.

Parallel lief ein Tauchprogramm. Bei einer Wassertemperatur von 2 °C gingen neun Taucher zu einem Tauchgang an der Yalour-Inselgruppe. Nach dem Auftauchen blieben einige am Tauchplatz und sprangen von einem Eisberg ins Wasser. Auf dem Rückweg zum Schiff traf die Gruppe auf Buckelwale — im Logbuch steht: „die ersten, aber nicht die letzten".

Für wen sich der Spätsommer eignet

Wenn Sie Postkarten-Antarktis wollen — tiefer Schnee, unberührte Landschaft, Pinguine beim Nestbau — fahren Sie im November oder Dezember.

Wenn Sie Wale wollen, fahren Sie im März. Die Landschaft ist dann schneeärmer, die Kolonien sind lauter und schmutziger, die Küken groß und in der Mauser. Dafür stehen die Chancen auf ausgedehnte Walbegegnungen so gut wie zu keiner anderen Zeit — und Sie teilen sich die Buchten mit weniger Schiffen.


Von der Leguan-Redaktion

Wale in der Antarktis – die häufigsten Fragen

Die Angaben stammen aus dem Bordlogbuch der MV Hondius, Reise vom 10. bis 20. März 2026.

Wann ist die beste Zeit für Walbeobachtung in der Antarktis?

Der Spätsommer, also Ende Februar und März. Die Buckelwale haben dann den ganzen Sommer über Krill gefressen und sind in bester Kondition, bevor sie nach Norden in die Tropen ziehen. Gleichzeitig ist das Meereis am weitesten zurückgewichen und es sind weniger Schiffe unterwegs.

Wie nah kommen die Wale an die Boote?

Auf dieser Reise zogen Wale mehrfach direkt unter den Zodiacs durch, deutlich sichtbar im klaren Wasser. Jungtiere näherten sich den Booten von selbst, tauchten daneben auf und rollten sich leicht zur Seite, um besser sehen zu können.

Darf man sich Walen nähern?

Nein. Boote fahren Wale nie frontal an und folgen ihnen nicht. Kommt ein Tier von selbst, wird die Maschine ausgestellt und gewartet. Genau diese Zurückhaltung ermöglicht die langen Begegnungen — ein bedrängter Wal taucht ab.

Welche Walarten sieht man?

Vor allem Buckelwale, die im Spätsommer in großer Zahl an der Halbinsel stehen. Dazu kommen je nach Route und Zeitpunkt Zwerg- und Finnwale sowie Orcas.

Was ist eine Discovery-and-Learning-Reise?

Eine Route mit Schwerpunkt auf Vermittlung: tägliche Rückblicke und Fachvorträge an Bord, etwa über Eisbergentstehung und Gletscherkalben, ergänzt um die üblichen Anlandungen und Zodiacfahrten.

Kann man in der Antarktis tauchen?

Auf Reisen mit Tauchprogramm ja, mit entsprechender Qualifikation und Kaltwassererfahrung. Auf dieser Fahrt lag die Wassertemperatur bei 2 °C; an einem Tauchgang nahmen neun Taucher teil.

Sieht man auch Robben?

Regelmäßig. Auf den Eisschollen um Pléneau Island lagen Seeleoparden zwischen ihren Jagden sowie Krabbenfresserrobben. Seeleoparden jagen dort Eselspinguine — ein Vorgang, den selbst erfahrene Expeditionsteams selten beobachten und der nicht angenehm anzusehen ist.

Wie sehen die Pinguinkolonien im März aus?

Voller großer Küken in der Mauser. Manche stehen bewegungslos, bis die letzten Federn gewechselt sind; andere jagen noch den Eltern hinterher, obwohl sie fast bereit sind, selbst aufs Meer hinauszufahren.

Wo Sie Wale mit uns beobachten können

Die späten Termine der Saison sind unter Walbeobachtern begehrt und früh vergeben.

Welche Route zu Ihnen passt, hängt von Reisezeit, Schiffsgröße und Ihrem Schwerpunkt ab. Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie persönlich.

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