Ein Schiff fährt in einen Vulkan: Deception Island
Ein Schiff fährt in einen Vulkan
Es gibt in der Antarktis eine Insel, die aussieht wie ein Hufeisen, und sie ist genau das, was sie zu sein scheint: ein Vulkan, dessen Krater eingebrochen und vom Meer geflutet wurde. Deception Island — die Insel der Täuschung.
Von außen wirkt sie geschlossen. Erst wenn ein Schiff sehr nah herankommt, öffnet sich an einer Stelle ein Spalt in der Kraterwand. Er heißt Neptune's Bellows, Neptuns Blasebalg, und er ist der einzige Eingang.
Am 31. März 2025 fuhr die MV Plancius hindurch. Es war der letzte Tag ihrer Reise.
Die Durchfahrt
Das Logbuch beschreibt die Anfahrt über die ruhigen Wellen der Bransfield-Straße, dann die Passage selbst. Neptune's Bellows ist eng und flach — im Logbuch steht: „was sie zu einer spektakulären und aufregenden Durchfahrt macht".
Das ist keine Übertreibung. In der Mitte der Einfahrt liegt ein unterseeischer Felsen, Ravn Rock, gut zwei Meter unter der Oberfläche. Schiffe müssen dicht an der Steilwand entlang, um ihn zu umgehen. Die Kraterwände ragen dabei links und rechts auf.
Kaum drinnen, drehte die Plancius nach rechts und steuerte Whalers Bay an der Ostseite der Insel an.
Whalers Bay: was von der Hektor-Station blieb
Whalers Bay ist eine ehemalige Walfangstation, in der tausende Wale zu Öl verarbeitet wurden. Die norwegische Hektor-Station war bis 1931 in Betrieb.
Dann endete sie — und der Grund dafür ist erhellend. Das Logbuch nennt ihn präzise: Die Walölpreise waren erheblich gefallen, und der Walfang war zu einem pelagischen Geschäft geworden. Die Tiere wurden nun an Bord der Fabrikschiffe verarbeitet, direkt auf See. Landgestützte Stationen brauchte niemand mehr.
Das ist der eigentliche Punkt an dieser Ruine: Sie wurde nicht aus Naturschutzgründen geschlossen, sondern weil eine effizientere Methode gefunden war. Die Zahl der getöteten Wale stieg nach 1931 weiter — sie wurden nur nicht mehr an Land gebracht.
Was heute in Whalers Bay steht, sind rostige Tanks, Reste von Gebäuden und eine verfallene Flugzeughalle. Ein Teil der Anlage wurde 1969 von einem Vulkanausbruch und den nachfolgenden Schlammlawinen zerstört.
Der Vulkan ist nicht erloschen
Deception Island ist aktiv. Die letzten größeren Ausbrüche fanden 1967, 1969 und 1970 statt und zerstörten sowohl die britische als auch die chilenische Forschungsstation. Seither wird die Insel überwacht; bei erhöhter seismischer Aktivität kann sie gesperrt werden.
Spürbar ist der Vulkan an den Stränden: An manchen Stellen sickert erwärmtes Wasser durch den schwarzen Sand, und es dampft, wo Meerwasser auf geothermisch aufgeheizten Grund trifft. Das hat der Insel den Ruf eingebracht, man könne dort baden. Man kann — aber es ist ein Wechselbad aus heißem Sand und zwei Grad kaltem Meer, kein Thermalbecken.
Warum diese Insel oft am Ende steht
Deception liegt in den Südshetlandinseln, also auf dem Rückweg zur Drake-Passage. Deshalb steht sie auf vielen Routen am letzten Tag — so auch hier.
Das Logbuch dieser Reise vermerkt es beiläufig: Es sei leider der letzte Tag gewesen, aber das Expeditionsteam hatte noch etwas vorbereitet. Nach Deception folgte am selben Tag noch Half Moon Island.
Es ist ein passender Abschluss. Nach zwei Wochen Eis, Pinguinen und Gletschern endet die Reise in einem gefluteten Vulkankrater, zwischen den Resten einer Industrie, die diese Gewässer beinahe leergefischt hätte. Wer die Antarktis nur als Naturschauspiel gesehen hat, bekommt hier die andere Hälfte der Geschichte.
Was Sie auf Deception erwartet
Die Anlandung in Whalers Bay ist einfach — schwarzer Vulkansand, flaches Gelände. Man kann zwischen den Ruinen umhergehen, allerdings gilt Sicherheitsabstand zu den einsturzgefährdeten Bauten.
Ein beliebter Aufstieg führt zu Neptune's Window, einer Scharte in der Kraterwand mit Blick aufs offene Meer. Von dort sollen die ersten Menschen die Antarktische Halbinsel gesichtet haben.
Und hier findet auf vielen Reisen der Polar Plunge statt — der Sprung ins antarktische Wasser. Am warmen Strand von Deception ist er ein bisschen weniger heldenhaft als anderswo. Aber deutlich beliebter.
Deception Island – die häufigsten Fragen
Die Angaben stammen aus dem Bordlogbuch der MV Plancius, Reise vom 23. März bis 3. April 2025.
Was ist Deception Island?
Eine aktive Vulkaninsel in den Südshetlandinseln, deren Krater eingebrochen und vom Meer geflutet wurde. Die hufeisenförmige Insel umschließt eine geschützte Bucht, die Port Foster heißt.
Wie kommt ein Schiff in den Krater?
Durch Neptune's Bellows, den einzigen Eingang. Die Passage ist eng und flach, mit einem unterseeischen Felsen in der Mitte, weshalb Schiffe dicht an der Steilwand entlangfahren müssen. Das Logbuch nennt sie eine „spektakuläre und aufregende Durchfahrt".
Was war die Hektor-Station in Whalers Bay?
Eine norwegische Walfangstation, in der tausende Wale zu Öl verarbeitet wurden. Sie war bis 1931 in Betrieb und wurde aufgegeben, weil die Walölpreise fielen und der Walfang pelagisch wurde — die Tiere wurden fortan direkt an Bord von Fabrikschiffen verarbeitet.
Ist der Vulkan noch aktiv?
Ja. Die letzten größeren Ausbrüche 1967, 1969 und 1970 zerstörten die britische und die chilenische Forschungsstation sowie Teile der Walfanganlagen. Die Insel wird seismisch überwacht und kann bei erhöhter Aktivität gesperrt werden.
Kann man auf Deception Island baden?
An manchen Stellen sickert geothermisch erwärmtes Wasser durch den schwarzen Sand, sodass es dampft. Ein Bad dort ist allerdings ein Wechselbad aus heißem Sand und rund zwei Grad kaltem Meerwasser, kein Thermalbecken.
Was ist Neptune's Window?
Eine Scharte in der Kraterwand oberhalb von Whalers Bay mit Blick auf das offene Meer. Von dort sollen die ersten Menschen die Antarktische Halbinsel gesichtet haben. Der Aufstieg gehört zu den beliebten Wanderungen der Insel.
Warum liegt Deception oft am Ende der Reise?
Weil die Insel zu den Südshetlandinseln gehört und damit auf dem Rückweg zur Drake-Passage liegt. Auf dieser Reise war sie der letzte Programmpunkt, gemeinsam mit Half Moon Island.
Wo Sie Deception Island mit uns erleben können
Deception liegt auf fast allen Halbinsel-Routen, wird aber nur angelaufen, wenn Wetter und seismische Lage es zulassen.
- Antarktische Halbinsel – die klassische Route mit den Südshetlandinseln.
- Antarktis – alle Reisen – der Überblick über kurze und lange Varianten.
- Südgeorgien – wo die Walfanggeschichte in noch größerem Maßstab sichtbar ist.
Welche Route zu Ihnen passt, hängt von Reisezeit, Schiffsgröße und Ihrem Schwerpunkt ab. Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie persönlich.