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Aus den Logbüchern

Drake Lake oder Drake Shake: zwei Tage, die über die Reise entscheiden

17. Juli 2026 · von Leguan Reisen
Drake Lake oder Drake Shake: zwei Tage, die über die Reise entscheiden
© Oceanwide Expeditions

Lake oder Shake

Es gibt zwei Wörter, die jeder Antarktisreisende kennt, bevor er das erste Mal an Bord geht. Drake Lake und Drake Shake. Sie beschreiben dieselbe Meerenge in zwei Zuständen, und welchen man bekommt, weiß man erst, wenn man draußen ist.

Die Drake-Passage liegt zwischen Kap Hoorn und den Südshetlandinseln. Rund 1.000 Kilometer offenes Wasser, an denen sich der Antarktische Zirkumpolarstrom durch die engste Stelle seines Weges um den Kontinent drückt. Es gibt hier keine Landmasse, die die Dünung bremst — sie läuft einmal um die Welt und kommt zurück.

Im Januar 2026 hatte die MV Hondius Glück.

Der erste Tag

Das Logbuch beschreibt den ersten Seetag nach Süden mit einer Formulierung, die schon alles verrät: Er hätte kaum freundlicher ausfallen können. „Wir wachten bei wunderbar ruhiger See und leichten Winden auf, ein seltenes Geschenk in einem Meeresabschnitt, der für seine Unberechenbarkeit bekannt ist."

Position 57°02′ Süd, Wind aus Nord mit drei Beaufort, See leicht, bedeckt, sechs Grad. Der Himmel war grau, und im Logbuch steht dazu: Niemand beschwerte sich. Das war „Drake Lake", nicht der berüchtigte „Drake Shake" — und graue Wolken nimmt man dafür jederzeit in Kauf.

Am nächsten Morgen dasselbe Bild: erneut vollkommen ruhig, dazu klarer Himmel und sieben Grad.

Was man dabei sieht

Ruhige Bedingungen sind nicht nur bequem. Sie sind der beste Zustand für das, was die Drake-Passage eigentlich ausmacht — die Vögel.

Über dem Schiff waren Schwarzbrauenalbatrosse unterwegs, die mühelos neben dem Rumpf dahinglitten, dazu Blausturmvögel und weitere Hochseevögel, die die ruhige Luft nutzten. Diese Tiere folgen Schiffen nicht aus Neugier, sondern weil der Luftstrom über dem Rumpf ihnen Auftrieb schenkt. Sie fliegen dabei praktisch ohne Flügelschlag.

Wer die zwei Tage über Deck verbringt statt in der Kabine, sieht auf der Drake-Passage mehr Arten als in der gesamten restlichen Reise. Es ist die einzige Strecke, auf der man permanent offenen Ozean unter sich hat.

Was an Bord passiert

Die Seetage sind kein Leerlauf, sondern Vorbereitung. Am zweiten Tag versammelte sich die Gruppe in der Lounge zum ersten Pflichtbriefing: alles über Zodiacs — jene Schlauchboote, mit denen später jede Anlandung stattfindet.

Dazu gehört der Einstieg, der auf keinem anderen Schiff so geübt wird: Sit and Slide. Man setzt sich auf den Bootsrand und rutscht hinein, statt hineinzusteigen. Es sieht unelegant aus und ist die einzige Methode, die bei Seegang zuverlässig funktioniert.

Es folgen die Briefings zur Biosecurity und zu den IAATO-Verhaltensregeln. Wer sie verpasst, geht nicht an Land — das ist keine Drohung, sondern Bedingung.

Und wenn es doch der Shake wird?

Dann rollt das Schiff. Sechs bis acht Meter Welle sind in der Drake-Passage nicht ungewöhnlich, und der Kurs führt meist quer dazu.

Ein paar Dinge helfen. Seekrankheitsmittel wirken vorbeugend, nicht heilend — man nimmt sie vor der Ausfahrt, nicht wenn einem schlecht ist. Die Kabine mittschiffs auf einem niedrigen Deck bewegt sich am wenigsten. An Deck zu gehen und den Horizont anzusehen hilft mehr als sich hinzulegen. Und: Fast alle Schiffe haben einen Arzt an Bord, der bei Bedarf etwas Stärkeres verabreicht.

Die gute Nachricht ist banal, stimmt aber: Es geht vorbei. Nach zwei Tagen erreicht man die Südshetlands, und dahinter liegen geschützte Gewässer, in denen sich das Schiff kaum noch bewegt.

Warum manche die Passage überspringen

Es gibt Reisen, die von Punta Arenas nach King George Island fliegen und die Drake-Passage auslassen. Sie sparen vier Seetage und kosten mehr.

Man sollte wissen, was man dabei aufgibt. Die Drake-Passage ist die Schwelle, die den Kontinent von allem anderen trennt. Zwei Tage lang sieht man nichts als Wasser und Albatrosse, und wenn dann die ersten Eisberge auftauchen, hat man verstanden, wie weit weg man ist. Diese Erfahrung lässt sich nicht überfliegen.

Wer stark seekrankheitsanfällig ist oder wenig Zeit hat, für den ist der Flug die richtige Wahl. Für alle anderen gehört die Passage zur Reise.


Von der Leguan-Redaktion

Die Drake-Passage – die häufigsten Fragen

Die Angaben stammen aus dem Bordlogbuch der MV Hondius, Reise vom 8. bis 18. Januar 2026.

Wie lange dauert die Drake-Passage?

Rund zwei Seetage in jede Richtung, etwa 1.000 Kilometer zwischen Kap Hoorn und den Südshetlandinseln. Auf einer klassischen Halbinsel-Reise entfallen damit vier der zehn bis elf Tage auf die Überfahrt.

Was bedeuten Drake Lake und Drake Shake?

Zwei Zustände derselben Meerenge. „Drake Lake" steht für ruhige See und leichte Winde — auf dieser Reise war es an beiden Tagen so. „Drake Shake" meint schweren Seegang; sechs bis acht Meter Welle sind nicht ungewöhnlich, weil keine Landmasse die Dünung bremst.

Was hilft gegen Seekrankheit?

Medikamente wirken vorbeugend und sollten vor der Ausfahrt genommen werden, nicht erst bei Übelkeit. Eine Kabine mittschiffs auf niedrigem Deck bewegt sich am wenigsten. An Deck zu gehen und den Horizont zu fixieren hilft meist mehr als Hinlegen. An Bord ist ein Schiffsarzt.

Welche Tiere sieht man auf der Drake-Passage?

Vor allem Hochseevögel. Auf dieser Fahrt Schwarzbrauenalbatrosse, die dicht neben dem Schiff dahinglitten, sowie Blausturmvögel. Sie nutzen den Aufwind über dem Rumpf und fliegen dabei fast ohne Flügelschlag.

Was passiert an den Seetagen an Bord?

Die Pflichtbriefings. Zuerst die Einweisung in die Zodiacs samt Einstiegstechnik „Sit and Slide", bei der man sich auf den Bootsrand setzt und hineinrutscht. Dazu kommen Biosecurity und die IAATO-Verhaltensregeln. Ohne Teilnahme keine Anlandung.

Kann man die Drake-Passage überspringen?

Ja, mit den Fly-Cruise-Varianten, die von Punta Arenas nach King George Island fliegen. Sie sparen vier Seetage und kosten mehr. Wer stark seekrankheitsanfällig ist oder wenig Zeit hat, ist damit gut beraten.

Warum ist die Drake-Passage so rau?

Weil sich dort der Antarktische Zirkumpolarstrom durch die engste Stelle seines Weges um den Kontinent drückt. Es gibt auf diesem Breitengrad keine Landmasse, die die Dünung stoppt — sie läuft einmal um die Erde.

Wo Sie die Passage mit uns überqueren können

Fast jede Antarktisreise ab Ushuaia führt durch die Drake-Passage. Die Alternative ist der Flug ab Punta Arenas.

Welche Route zu Ihnen passt, hängt von Reisezeit, Schiffsgröße und Ihrem Schwerpunkt ab. Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie persönlich.

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