Basecamp Antarktis: Kajak, Eisgerät und eine Nacht im Schnee
Vier Tätigkeiten, ein Schiff
Es gibt eine Variante der Antarktisreise, die im Katalog leicht untergeht, weil ihr Name nach Zeltlager klingt: Basecamp. Gemeint ist etwas anderes — ein Schiff, das für eine Woche zum Ausgangspunkt wird, von dem aus man jeden Tag etwas Eigenes unternimmt. Kajak. Bergsteigen mit Schneeschuhen und Eisgerät. Eine Nacht an Land im Schlafsack. Und dazwischen die normalen Anlandungen.
Im Dezember 2025 fuhr die MV Hondius diese Route an die Antarktische Halbinsel. Ihr Logbuch enthält etwas, das die meisten Bordbücher nicht haben: eigene Abschlussberichte der Kajak- und der Bergsteiger-Guides. Sie lesen sich wie Notizen aus einer Woche, in der jeder Tag zweimal stattfand.
Was die Kajakfahrer sahen
Die Kajakgruppe war unter der Leitung von Adam und Alexis jeden halben Tag auf dem Wasser. Der Bericht ist knapp und listet die Stationen in der Reihenfolge, in der sie kamen.
Danco Island, Morgen des 12. Dezember. Der erste Blick auf die Antarktis vom Wasser aus, dazu Eselspinguine und eine Weddellrobbe auf dem Eis. Am Nachmittag Georges Point, zwischen den Eisbergen, mit Blick hinüber nach Cuverville — im Bericht steht „verspielte Pinguine und fantastisches Brucheis".
Stony Point, Morgen des 13. Dezember. Der Eintrag besteht aus drei Wörtern: „Whales, Whales and more Whales." Buckelwale dicht bei den Kajaks, leichter Wind. Am Nachmittag im geschützten Orne Harbour kaum ein Lufthauch, eine Weddellrobbe aus der Nähe, ein Buckelwal, Pinguinkolonien — und ein kalbender Gletscher.
Pléneau Island, Morgen des 14. Dezember. Blauer Himmel, ruhige See, und die Paddler schoben sich durch den Iceberg Graveyard — jene flache Bucht, in der gestrandete Eisberge liegen bleiben, bis sie zerfallen. Am Nachmittag bei Petermann Island Adéliepinguine vom Kajak aus, zum Abschluss ein Buckelwal aus der Nähe.
Dann Jougla Point und Port Lockroy mit dem berühmten Postamt, Walknochen im flachen Wasser, Eselspinguin-Küken. Und zum Schluss Foyn Harbour, wo die Gruppe um ein Schiffswrack herumpaddelte.
Sieben Ausfahrten in fünf Tagen. Der Abschlusssatz der beiden Guides erwähnt die Bedingungen fast beiläufig: ruhige See, leichter Wind. Das ist nicht selbstverständlich — es ist der Grund, warum das Programm überhaupt so dicht laufen konnte.
Was die Bergsteiger machten
Die zweite Gruppe war mit Schneeschuhen, Seil und Eisgeräten unterwegs. Ihr Bericht beginnt auf Danco Island: „Aus dem Zodiac aufs Eis zu steigen fühlte sich an, als beträte man eine andere Welt."
Am Vormittag Eisklettern, am Nachmittag Schneeschuhwanderung bei Georges Point. Die Schneeschuh-Gruppe querte Gletschergelände mit Blick auf zerklüftetes Eis und entfernte Gipfel, während die Kletterer Routen im Eis einrichteten.
Zwei Tage später, nach der Durchfahrt durch den Lemaire-Kanal, öffnete sich das Gelände zu den Schneefeldern von Hovgaard Island. Der Lemaire ist jene schmale Passage zwischen steilen Wänden, für die es ein eigenes Wort gibt: Kodak Gap. Die Bergsteiger sahen ihn nicht vom Deck, sondern als Zugang zu ihrem Tagesziel.
Die Nacht an Land
Camping in der Antarktis ist kein Zelten im üblichen Sinn. Es gibt keine Feuerstelle, kein Essen an Land, keine sanitären Anlagen — alles, was mitgeht, kommt auch wieder mit. Die Gruppe wird nach dem Abendessen mit dem Zodiac an Land gebracht und am frühen Morgen wieder abgeholt.
Auf dieser Reise ging die erste Gruppe am 12. Dezember nach dem Abendessen an Land, bei Stony Point. Das Logbuch nennt es „eine stille, abgelegene und aufregende Nacht an Land — die Antarktis in ihrer rohsten und persönlichsten Form". Die letzte Gruppe wurde am 14. Dezember abends auf Hovgaard Island abgesetzt.
Wer campt, verzichtet auf eine Nacht in der Kabine und gewinnt dafür etwas, das man an Bord nie hat: Stille ohne Maschinengeräusch. Kein Generator, kein Lüftungsrauschen, keine Schritte auf dem Deck über einem.
Was das Logbuch über den Ablauf verrät
Vor allen Aktivitäten stehen Pflichtbriefings — je eines für Kajak, Bergsteigen und Camping. Das Logbuch hält fest, dass sie am ersten Seetag stattfanden, gleich nach dem Frühstück. Erst danach folgte die Anmeldung für die Aktivitäten und die Ausgabe der Gummistiefel, im Logbuch „unser neuer bester Freund in der Antarktis".
Ebenfalls am ersten Tag: der Biosecurity-Check. Jedes Kleidungsstück und jeder Rucksack, der an Land geht, wird auf Samen, Erde und Tierhaare abgesucht. Im Logbuch steht der Grund gleich dabei: keine fremden Arten in die Antarktis einschleppen.
Und ein Satz, der die ganze Programmlogik erklärt, steht in dürren Worten im Tagesplan: Die Spezialaktivitäten wurden „entsprechend den Bedingungen und den Gruppenplänen" durchgeführt. Nichts davon ist gesetzt. Ob morgens gepaddelt oder geklettert wird, entscheidet sich morgens.
Für wen sich das eignet
Basecamp ist keine Reise für alle. Wer die Antarktis vor allem sehen möchte, ist auf einer klassischen Route besser aufgehoben — dort gibt es mehr Anlandungen und weniger Organisation. Basecamp lohnt sich für Menschen, die etwas tun wollen: die vom Wasser aus paddeln statt vom Deck zu schauen, die einen Gletscher betreten statt ihn zu fotografieren, die eine Nacht draußen einer Nacht in der Kabine vorziehen.
Vorkenntnisse braucht es kaum — Kajakerfahrung ist erwünscht, das Bergsteigen richtet sich nach der Gruppe. Was man mitbringen muss, ist die Bereitschaft, für eine Aktivität eine andere ausfallen zu lassen. Wer paddelt, ist bei der Anlandung nicht dabei.
Basecamp in der Antarktis – die häufigsten Fragen
Die Angaben stammen aus dem Bordlogbuch der MV Hondius, Reise vom 9. bis 21. Dezember 2025.
Was ist eine Basecamp-Reise?
Eine Antarktisreise, bei der das Schiff als Ausgangspunkt für mehrere Aktivitäten dient: Kajakfahren, Bergsteigen mit Schneeschuhen und Eisgerät, eine Nacht Camping an Land — dazu die üblichen Anlandungen und Zodiacfahrten. Die Aktivitäten laufen parallel; man entscheidet sich pro Halbtag für eine.
Braucht man Vorerfahrung fürs Kajakfahren?
Kajakerfahrung ist erwünscht, weil in kaltem Wasser und teils zwischen Eisstücken gepaddelt wird. Vor der ersten Ausfahrt gibt es ein verpflichtendes Briefing; auf der geschilderten Reise fand es am ersten Seetag statt.
Wie oft kommt man aufs Wasser?
Auf dieser Fahrt waren es sieben Kajakausfahrten in fünf Tagen — bei ruhiger See und leichtem Wind. Bei schlechteren Bedingungen fallen Ausfahrten aus; garantiert ist keine.
Wie läuft das Camping in der Antarktis ab?
Die Gruppe wird nach dem Abendessen mit dem Zodiac an Land gebracht und früh am Morgen wieder abgeholt. Es gibt kein Feuer, kein Essen an Land und keine sanitäre Infrastruktur; alles Mitgebrachte wird wieder mitgenommen. Auf dieser Reise campten Gruppen bei Stony Point und auf Hovgaard Island.
Was macht die Bergsteiger-Gruppe genau?
Gletscherwanderungen auf Schneeschuhen, dazu eingerichtete Eiskletterrouten. Auf dieser Fahrt: Eisklettern und Schneeschuhtour auf Danco Island und bei Georges Point, später Touren auf Hovgaard und Petermann Island nach der Durchfahrt durch den Lemaire-Kanal.
Kann man alle Aktivitäten machen?
Nicht gleichzeitig. Wer paddelt, ist bei der Anlandung desselben Halbtags nicht dabei. Die Anmeldung erfolgt zu Beginn der Reise, die Einteilung richtet sich nach Bedingungen und Gruppenplänen.
Was ist der Biosecurity-Check?
Vor dem ersten Landgang werden alle Kleidungsstücke, Rucksäcke und Taschen auf Samen, Erdreste und Tierhaare abgesucht, um keine fremden Arten einzuschleppen. Auf dieser Reise fand er am ersten Seetag statt.
Welche Tiere sieht man vom Kajak aus?
Auf dieser Fahrt: Buckelwale dicht bei den Booten, Weddellrobben auf dem Eis, Eselspinguine und Adéliepinguine, dazu Eselspinguin-Küken bei Port Lockroy und ein kalbender Gletscher im Orne Harbour.
Wo Sie Basecamp mit uns fahren können
Basecamp-Termine sind begrenzt, weil die Aktivitätsplätze pro Abfahrt limitiert sind. Wer Kajak oder Camping fest einplant, sollte früh buchen.
- Antarktische Halbinsel – das Revier der Basecamp-Routen, von Danco Island bis zum Lemaire-Kanal.
- Antarktis – alle Reisen – der Überblick über kurze und lange Routen.
- Weddellmeer – für alle, die statt Aktivitäten das Packeis suchen.
Welche Route zu Ihnen passt, hängt von Reisezeit, Schiffsgröße und Ihrem Schwerpunkt ab. Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie persönlich.