Die Antarktis ist ein Traumziel für jeden Fotografen. Die Kombination aus surrealen Eisformationen, dramatischen Lichtverhältnissen und einer Tierwelt, die oft keine Scheu vor Menschen zeigt, bietet Ihnen Motive, die weltweit ihresgleichen suchen. Doch die Zerbrechlichkeit dieses Ökosystems erfordert, dass Sie Ihre Kamera mit höchster Verantwortung führen.
1. Ethische Tierfotografie:
Das Wohl des Tieres steht über dem Bild
In der Antarktis sind Sie Gast in einem Wohnzimmer der Natur. Die Tiere haben hier Vorrang – immer.
Abstand bewahren: Halten Sie stets den vorgeschriebenen Mindestabstand von 5 Metern (zu Pelzrobben deutlich mehr) ein. Nutzen Sie Teleobjektive, um beeindruckende Nahaufnahmen zu machen, ohne die Tiere zu bedrängen.
Keine Interaktion erzwingen: Machen Sie keine Geräusche, um die Aufmerksamkeit eines Tieres zu erregen. Es ist streng untersagt, sich auf den Boden zu legen, um Tiere dazu zu animieren, auf Sie zuzukommen oder über Sie zu krabbeln.
Vorfahrt gewähren: Blockieren Sie niemals die sogenannten „Pinguin-Autobahnen“ (die festgetretenen Pfade zwischen Meer und Kolonie). Wenn ein Tier Ihren Weg kreuzt, bleiben Sie stehen und lassen Sie es passieren.
Vogelgrippe-Prävention (HPAI): Aktuell ist es strikt verboten, sich für die „Froschperspektive“ auf den Boden zu knien oder zu setzen. Nutzen Sie stattdessen Kameras mit Schwenkdisplay, um tiefe Winkel sicher einzufangen.
2. Meisterschaft über Licht und Eis
Das Fotografieren in einer Welt aus purem Weiß stellt Ihren Belichtungsmesser vor große Herausforderungen.
Die Belichtungskorrektur: Kameras interpretieren große weiße Flächen oft als zu hell und regeln die Belichtung herunter. Das Ergebnis ist grauer Schnee. Korrigieren Sie manuell um +1 bis +2 Blendenstufen, um das strahlende Weiß korrekt einzufangen.
Weißabgleich und RAW: Das Licht im Eis kann sehr kühl und blaustichig wirken. Fotografieren Sie im RAW-Format, um den Weißabgleich später präzise anpassen zu können, oder nutzen Sie bei strahlendem Blau einen Polarisationsfilter, um Reflexionen zu mindern.
Akkukapazität: Kälte entlädt Batterien drastisch schneller. Tragen Sie Ersatzakkus immer in einer Innentasche direkt am Körper, um sie durch Ihre Körperwärme einsatzbereit zu halten.
3. Schutz der Ausrüstung und der Umwelt
Salzwasser, Gischt und extreme Temperaturwechsel sind die Feinde Ihrer Technik.
Zodiac-Sicherheit: Verstauen Sie Ihre Kamera während der Bootsfahrten immer in einem Dry-Bag (wasserdichten Sack). Ein einziger Spritzer Salzwasser kann die Elektronik dauerhaft schädigen.
Akklimatisierung gegen Kondenswasser: Dies ist der wichtigste Tipp nach einem Landgang. Stecken Sie Ihre Kamera noch im Freien in einen luftdichten Plastikbeutel. Lassen Sie die Ausrüstung nach der Rückkehr ins warme Schiff mindestens 1–2 Stunden im geschlossenen Beutel, bis sie Zimmertemperatur erreicht hat. So kondensiert die Feuchtigkeit am Beutel und nicht im Inneren Ihrer Linse oder Ihres Gehäuses.
Sauberkeit: Achten Sie penibel darauf, keine Reinigungstücher oder Objektivdeckel zu verlieren. In der Antarktis gibt es keinen Mülltrupp – was Ihnen herunterfällt, schadet der Umwelt dauerhaft.
4. Checkliste für Ihre Fototasche
[ ] Teleobjektiv: (z. B. 70–200mm oder 100–400mm) für Distanzaufnahmen.
[ ] Ersatzakkus: Mindestens zwei, warm gelagert.
[ ] Polarisationsfilter: Für tieferes Blau und weniger Reflexionen.
[ ] Dry-Bag / Wasserdichter Rucksack: Für die Zodiac-Fahrten.
[ ] Luftdichte Plastikbeutel: (z. B. Ziploc) für die Akklimatisierung im Schiff.
[ ] Microfasertücher: Zur schnellen Reinigung von Gischt, aber stets sicher verstaut.
Indem Sie diese Richtlinien befolgen, entstehen Bilder, die nicht nur die Schönheit der Antarktis zeigen, sondern auch den Respekt widerspiegeln, den dieser einzigartige Ort verdient. Wir wünschen Ihnen das perfekte Licht für Ihre Reise!